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Knetzgau seit der Gebietsreform

(1. Mai 1972) Bereits vor Abschluss der Gebietsreform (1. Mai 1978) hatten die Bürger der ehemals selbständigen Gemeinden Oberschwappach, Unterschwappach (01. Juli 1972), Wohnau (01. Januar 1973), Westheim, Eschenau, Zell a. E. (01. Juli 1974) und Hainert (01. Januar 1976) der Aufgabe ihrer Selbständigkeit und der freiwilligen Eingliederung in die Gemeinde Knetzgau zugestimmt. Interessant ist, dass bereits im Frühmittelalter sämtliche heute zur Einheitsgemeinde Knetzgau gehörenden Gemeindeteile (neben vier inzwischen untergegangenen Orten) kirchlich der Pfarrei Knetzgau unterstanden haben.

Die jetzige Einheitsgemeinde Knetzgau, mit 6.430 Einwohnern (Stand 01.01.2010) besteht somit aus acht früher selbständigen Gemeinden. Die Stammgemeinde Knetzgau mit 3.509 Einwohnern ist Mittelpunkt und Verwaltungssitz der Einheitsgemeinde Knetzgau. Die von Knetzgau etwa 7 Kilometer entfernte Kreisstadt Haßfurt ist, ebenso wie die Industriestadt Schweinfurt und die Weltkulturerbestadt Bamberg, in kürzester Zeit erreichbar. Die Gemarkungsgrenzen von Knetzgau werden im Norden vom Main und im Süden vom Steigerwald umschlossen. Die Gemeindeteile Zell a. E., Eschenau, Oberschwappach und Wohnau liegen im Naturpark Steigerwald.

Im Jahre 1974 gab sich die Gemeinde ein eigenes Wappen und eine eigene Gemeindefahne in den Farben grün-weiß. Der Mainschelch im Wappen weist auf den in Knetzgau Jahrhunderte lang betriebenen Schiffsbau hin. Die geographische Lage des Ortes am Rande des Steigerwaldes deutet der Dreiberg an, während die durch die großen Laubwälder ermöglichte Holz- und Forstwirtschaft ihren heraldischen Ausdruck durch das grüne Buchenblatt findet. Schließlich wird durch die Weintraube auf den seit jeher betriebenen Weinbau hingewiesen.

In den ersten Jahren der Einheitsgemeinde Knetzgau war es notwendig, die Grundversorgungseinrichtungen zu schaffen, um den Bürgern unserer damaligen Grenzlandgemeinde Knetzgau das Leben angenehmer, die Heimat lebens- und liebenswerter zu machen, das Gefälle von Stadt und Land abzubauen und die Landflucht einzudämmen.

Diese Aufgabe forderte große Anstrengungen und Belastungen. Die Gemeinde Knetzgau war, wie fast alle anderen Kommunen im ehemaligen Grenzlandgebiet, mit einer sehr schwachen Steuerkraft ausgestattet. Trotzdem ist es ihr in den ersten 10 Jahren nach der Gebietsreform gelungen, Baumaßnahmen der Grundversorgungseinrichtungen zu verwirklichen.

So war vor allem für die jüngere Generation der Neubau einer Volksschule (Grund- und Hauptschule) mit Lehrschwimmbecken, Turnhalle und Außensportanlagen erforderlich. In den 80er Jahren wurde die Schule erweitert und eine zweite Turnhalle errichtet.

In der Stammgemeinde Knetzgau und in allen Gemeindeteilen mussten die Kanalanlagen entweder zu Ende geführt oder vollkommen neu erstellt werden. Die Gemeindeteile Zell a. E. und Westheim wurden an die im Jahre 1978 erstellte vollbiologische Kläranlage in Knetzgau angeschlossen. Bedingt durch das Anwachsen der Bevölkerung, den angesiedelten Industriebetrieben sowie den höheren gesetzlichen Anforderungen an die Reinigung des Abwassers wurde eine neue Kläranlage mit einem Kostenaufwand von rd. 5,5 Mio. EUR errichtet und im Mai 2000 in Betrieb genommen.

Die Gemeindeteile Ober-, Unterschwappach und Wohnau erhielten eine zentrale Wasserversorgungsanlage und wurden mit den übrigen Gemeindeteilen an den Zweckverband zur Wasserversorgung der Knetzgau-Sand-Wonfurt-Gruppe angeschlossen. Eine weitere Großbaustelle, kurz nach der Gebietsreform, war die auch überregional genutzte Mehrzweckhalle am Main, die nach dem Tode unseres unvergessenen Altbürgermeisters, Franz Hofmann, dessen Namen erhielt.

Franz Hofmann, der der Gemeinde als erster Bürgermeister vom 01.07.1972 bis zu seinem überraschenden Tod, im August 1990, vorstand, hatte neben diesen angeführten Grundversorgungseinrichtungen vor allem auch Weitblick mit der Erschließung eines Industriegeländes bewiesen. In diesem ersten Industriegebiet der Gemeinde Knetzgau sind die beiden großen Coca-Cola-Betriebe die größten Arbeitgeber in der Gemeinde. Aber auch zahlreiche andere große und mittelständische Firmen haben zur Stärkung der Wirtschaftskraft der Gemeinde beigetragen.

Auf Initiative von Franz Hofmann hat die Gemeinde im Juli 1985 Schloss Oberschwappach gekauft. Das Schloss - ehemalige Sommerresidenz der Ebracher Äbte - war in einem baulich schlechten Zustand und konnte nur mit großzügiger finanzieller Unterstützung des Freistaates Bayern, mit einem Kostenaufwand von über 6 Mio. EUR, saniert werden. Im Hauptbau befindet sich das Museum Schloss Oberschwappach. Im Kellergewölbe werden vorfrühgeschichtliche Zeugnisse sowie archäologische Funde aus dem Steigerwald und dem Maintal präsentiert. In den acht barocken Räumen des Erd- und Obergeschosses des Ostflügels sind seit 2001 Kunstwerke des 17. und 18. Jahrhunderts aus den Kunstsammlungen der Diözese Würzburg ausgestellt. Im Spiegelsaal werden jährlich von der Gemeinde Konzerte abgehalten, die nach Bekanntwerden der Termine in kürzester Zeit ausverkauft sind. In einem Teil des Schlosses ist auch der Kindergarten von Oberschwappach untergebracht. Auch eine Gastwirtschaft beinhaltet das Schloss, so dass sich ein Besuch des Schlosses mit dem gemütlichen Schlosspark und den Terrassengärten allemal lohnt. Die zu einer kleinen Festhalle ausgebaute ehemalige Remise steht für persönliche und familiäre Feste und Feiern zur Verfügung. Den Schlosshof und die Schlosshalle nützen die örtlichen Vereine für ihre Feste.

Mit der bereits erwähnten Franz-Hofmann-Halle in Knetzgau steht der Gemeinde ein weiterer Raum für Veranstaltungen aller Art zur Verfügung. Hier finden regelmäßig Betriebsfeiern, überregionale Tanzveranstaltungen, Vereinsfeste und sonstige Veranstaltungen statt. Die Ankurbelung des Fremdenverkehrs, der in der Gemeinde noch eine untergeordnete Rolle spielt, war schon immer ein Hauptanliegen der Gemeinde. Neben dem Schloss Oberschwappach und der Franz-Hofmann-Halle hat die Gemeinde nicht nur die reizvolle Landschaft, sondern kann auch ein zwar kleines, aber der Öffentlichkeit zugängliches Schulschwimmbad anbieten. Eine touristische Bereicherung ist auch die Minigolfanlage neben dem Schützenhaus, direkt an der Staatsstraße Knetzgau - Haßfurt. Derzeit entstehen neue Radwegeverbindungen, welche die Gemeinde Knetzgau an das überregionale Radwegenetz anschließen.

Zur touristischen Vermarktung von Sehenswürdigkeiten und Freizeitangeboten hat sich die Gemeinde Knetzgau mit der Stadt Eltmann und den Gemeinden Sand a. Main, Oberaurach und Rauhenebrach, zu den "5 Sternen im Nördlichen Steigerwald" zusammengeschlossen. Übrigens war die Zusammenarbeit mit anderen Städten und Gemeinden sowie dem Landkreis Haßberge in den letzten 25 Jahren vorbildlich und gewinnbringend.

In der Entwicklung der Gemeinde Knetzgau seit der Gebietsreform ist zu keiner Zeit ein Stillstand eingetreten. Nach den schwierigen Anfangsjahren wurde das Rathaus renoviert und der Rats- und Kultursaal errichtet, sowie die vorhandenen Kindergärten saniert bzw. neu errichtet. Die Gemeinde Knetzgau konnte deshalb bereits lange, bevor es gesetzlich festgeschrieben wurde, jedem Kind einen Kindergartenplatz garantieren. Neue Feuerwehrgerätehäuser in Knetzgau, Oberschwappach, Westheim, Eschenau, Unterschwappach und Zell a. E. gewährleisten mit den vorhandenen Feuerwehrgerätehäusern in den übrigen Gemeindeteilen und den aktiven Feuerwehrleuten den Feuerschutz in der Gemeinde.
Die Einwohnerzahl ist seit 01.07.1972 von 5.325 Einwohnern auf 6.430 Einwohner gestiegen. Grund hierfür ist zweifellos das in der Stammgemeinde und in allen Gemeindeteilen ausgewiesene Neubaugelände. In der Stammgemeinde Knetzgau und in den Gemeindeteilen Oberschwappach und Hainert sind erschlossene  Neubaugebiete vorhanden. Für die Gemeindeteile Zell a. E. und Westheim liegen Bebauungspläne vor. Ein Großteil der Grundstücke ist im Besitz der Gemeinde. Die Erschließung dieser Baugebiete bei genügend Nachfrage ist kein Problem. Bereits vor Jahren wurde in Hainert eine vorbildliche Dorferneuerung durchgeführt. Im Gemeindeteil Westheim ist eine umfassende Dorferneuerung im Gange. Die ersten Bauabschnitte, unter anderem die von den Westheimer Bürgerinnen und Bürgern lange geforderte Sanierung des „Zeller Weges“, wurden in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen. Die Neugestaltung der Ortsmitte von Oberschwappach mit dem Kirchenumfeld, im Rahmen der Dorferneuerung, steht vor dem Abschluss. In der Stammgemeinde Knetzgau wurde mit der Städteförderung und der Hochwasserfreilegung bereits vor Jahren begonnen. Der Kirchweg und der Amtshof sind abgeschlossen. Neue Maßnahmen stehen an. Der dritte Bauabschnitt:  „Hochwasserfreilegung Seeweg“, wird in diesem Jahr fertig gestellt.
Mit der Erschließung eines 53 ha großen Industriegebietes hat die Gemeinde bereit vor Jahren begonnen. Die Gemeinde stellt sich dieser Aufgabe im Interesse neuer Arbeitsplätze gerne. Sie hat seit der Gebietsreform bewiesen, dass sie gewerbe- und industriefreundlich eingestellt ist. Bereits frühzeitig wurde die zwingende Notwendigkeit der Schaffung ortsnaher Arbeitsplätze erkannt. So können in Knetzgau seit der Gebietsreform insgesamt 1200 neue Arbeitsplätze bereit gestellt werden. Mit den vorhandenen Arbeitsplätzen finden derzeit in Knetzgau und den Gemeindeteilen 1500 Personen eine Beschäftigung. Die Gemeinde selbst stellt 60 Arbeitsplätze zur Verfügung.

Die finanzielle Lage der Gemeinde ist trotz der großen Anstrengungen und erheblichen Investitionen in den vergangenen 25 Jahren geordnet. Die Verschuldung ist im Vergleich zu vielen anderen Gemeinden günstig. Es besteht kein Anlass zur Resignation, aber auch nicht zur Euphorie.

Die Wasserversorgung kann vom Zweckverband zur Wasserversorgung der Knetzgau-Sand-Wonfurt-Gruppe, in dem die Gemeinde Knetzgau mit über 75 % beteiligt ist, sichergestellt werden. Der Verband, mit einer Wasserförderung von rund 1,1 Mio. cbm Wasser im Jahr, ist einer der größten Wasserlieferer im Landkreis. Mit dem Neubau der Kläranlagen Knetzgau und Unterschwappach ist auch die Abwasserbeseitigung für Jahre hinaus kein größeres Problem. Die Investitionen in der Abwasserbeseitigung, der Wasserversorgung und dem Straßenbau ermöglichen der Gemeinde jederzeit die Ausweisung von Industrie – und Wohnbaugebieten. Rathaus, Schule, Kindergärten, Schloss Oberschwappach, sowie die im Besitz der Vereine befindlichen Freizeiteinrichtungen sind in einem guten baulichen Zustand.
Die 139 Vereine, Verbände und Organisationen im Gemeindebereich sind nicht nur eine Bereicherung, sondern eine Notwendigkeit. Die vorbildliche Arbeit der Vielzahl freiwilliger Mitarbeiter in den Vereinen und vor allem deren Vorstände ist unbezahlbar. Die Gemeinde hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Vereinsarbeit immer unterstützt und wird dies auch künftig tun.

In der Gemeinde Knetzgau wird es keinen Stillstand geben. Sie ist sich ihrer Verantwortung für jeden einzelnen Bürger bewusst. Die Gemeinde wird in den kommenden Jahren verstärkt in die Betreuung der Familien mit Kindern, Jugendlichen und der Senioren investieren. Mit dem Projekt „Haighöfe“ ist der Startschuss bereits gefallen. Die Gemeinde wird, zusammen mit dem Caritasverband Landkreis Hassberge, auf dem Gelände neben dem Rathaus eine betreute Wohngemeinschaft und Wohnungen errichten. Daneben wird in unmittelbarer Nähe des Kindergartens eine Kinderkrippe entstehen. Auch die Jugendbetreuung ist eine große Herausforderung für die Gemeinde. Der ständige Umbruch im Schulsystem und die damit verbundene Zukunft der Grund- und Hauptschule Knetzgau ist leider nach den letzten Kommunalwahlen zu einem Politikum geworden. Knetzgau wird sich nur behaupten können, wenn es sich wieder, wie in der Vergangenheit, seiner Tugenden Zusammenhalt und das Wohl der Mitmenschen im Auge behaltend, besinnt.

Der zweifellos enorme Aufschwung der Gemeinde Knetzgau konnte nur durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und allen im Gemeinderat vertretenen Parteien und Wählergruppen erreicht werden. Die stete Mitwirkung der Bürgerschaft trug wesentlich zum Aufbau der Gemeinde bei. Sie hat von Anfang an die Einheitsgemeinde durch die freiwilligen Eingliederungen bejaht und unterstützt. Sie hat die Gemeinde Knetzgau als ihre Gemeinde anerkannt und steht zu ihr. Die großartigen Jahrhundertfeiern in Knetzgau (1980), Westheim (1981), Eschenau, Ober- und Unterschwappach, Wohnau (1985) sind Zeugnis echten Bürgersinnes. Das Bayern 3 Dorffest in Knetzgau, im Jahr 2009, hat gezeigt, dass dieser Gemeinschaftssinn weiterhin ausgeprägt ist und zu „mehr“ anregt.

Die Einheitsgemeinde Knetzgau hat sich noch nie dem Fortschritt verschlossen und wird dies auch in Zukunft nicht tun. Die Aufgaben können jedoch nur bewältigt werden, wenn sich jede Mitbürgerin und jeder Mitbürger bewusst ist, dass sie ein Teil des Ganzen sind und nicht nur ihr eigenes „Süppchen“ kochen können. Dies gilt ausnahmslos für alle, insbesondere für die Verantwortlichen in Führungspositionen, wie im Gemeinderat oder als Vereinsvorstände.

Stefan Paulus, 1. Bürgermeister


gedruckt am  20.07.2018
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