Generalinstandsetzung des Schulschwimmbades mit Turnhalle

Hein Herbert, Architekt

Im Jahre 1999 beschloss der Gemeinderat die Generalinstandsetzung des Schulschwimmbades und der kleinen Schulturnhalle mit den dazugehörigen Umkleide-, Sanitär- und Technikräumen.

Im Vorfeld wurde von verschiedenen Seiten immer wieder die Frage nach der Notwendigkeit einer Sanierung gestellt. Alles sähe doch noch ganz ordentlich aus und erfülle seinen Zweck ganz gut!

Der äußerlich gute Zustand, der vor allem den laufenden Instandhaltungsmaßnahmen der Gemeinde und ihrer Hausmeister zu verdanken war, konnte doch bei der Bestandsuntersuchung über die Abnutzung und die Alterung des Bauwerkes nicht hinwegtäuschen bzw. diese ungeschehen machen. Die Liste der Probleme, unter denen die Bauwerke "litten" war dementsprechend lang:

Flachdächer

Flachdach

Die vorhandenen Flachdächer waren zwar nach unten hin bis auf einige kleinere Leckstellen dicht, jedoch hatten sich auf der Oberseite infolge von Deckendurchbiegungen im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von flacher Tümpel gebildet, die nicht mehr abflossen, weil die Dachabläufe höher lagen als der fast ganzjährige Dauerwasserstand dieser Dachtümpel, die zudem noch von Rotalgen befallen waren, die die Dachhaut angriffen.

Durch den langanhaltenden Wasserstand kam es auch zeitweilig zu einer Umkehr der bauphysikalischen Vorgänge, was zu einer allmählichen Anreicherung der Dachwärmedämmung mit Kondenswasser aus eindiffundiertem Wasserdampf und einem "Absaufen" dieser Dämmung führte. So wurde bei Probeöffnungen eine vollständig durchnässte Dämmschicht mit bis zu 10 mm hohem Wasserstand darunter vorgefunden.

Die Durchnässung bewirkte – ähnlich wie nasse Kleidung – einen Totalausfall der wärmedämmenden Eigenschaften – entsprechende Heizkosten waren die Folge.

Durch die allmählich anwachsenden Wassermengen in und auf der Dachdecke verstärkten sich natürlich auch die Durchbiegungen der sehr schlank gehaltenen tragenden Betondecken, die für solche Belastungen nicht ausgelegt waren. Mittelfristig war die Standsicherheit der Dachdecken auf dem Spiel gestanden.

Beckenbereich

Der Beckenbereich mit der umlaufenden Überflutungsrinne sowie der angrenzende Beckenumgang war ein weiterer Problemkreis, und zwar in mehrfacher Hinsicht:

Zum einen war die notwendige Hygiene des Badewassers nur mit einem enormen Aufwand unter täglicher Beimischung von großen Mengen Frischwassers in den Griff zu kriegen. Dies bedeutete natürlich einen sehr großen Energieaufwand für die Aufheizung und von erforderlichen Wasserchemikalien, abgesehen von den Kosten für das Wasser und die damit verbundene Kläranlagenbelastung selbst.

Der Grund für diese Problematik war nach langem Suchen gefunden: das Becken selbst war um die Diagonalachse von der Nordostecke zur Südwestecke in Richtung Südosten (Kirche) um ca. 15 mm abgekippt, was sich bei der Größe des Beckens zunächst nicht dramatisch ausnimmt, aber zur Folge hatte, dass das Wasser in der Diagonalhälfte nach Nordwesten hin eine längere Verweildauer und damit auch mehr Zeit zur Schmutzanreicherung hatte.

Um hier einmal eine Größenordnung zu vermitteln: der Beckeninhalt beträgt ca. 230 000 l von denen täglich ca. 20 000 l allein zur Aufrechterhaltung der notwendigen Wasserhygiene ausgewechselt werden mussten!

Schwimmbecken

Zum anderen war es das gleiche Problem, das sich als Hauptschadensverursacher durch den ganzen Bau zog: defekte oder nicht vorhandene Abdichtungen gegen Wasserdampf und Feuchtigkeit.

So war die Anschlussfuge vom Beckenrand zur Überflutungsrinne nicht angedichtet. In Folge verbreitete sich das überschwappende chlorhaltige Badewasser in großen Mengen durch die angrenzenden Decken hindurch in den Beckenumgang im Keller und tat dort an allen tragenden Stahlbetonteilen sein zerstörerisches Werk, wo besonders die chloridempfindlichen Baustahlbewehrungen angegriffen worden waren.

An den Deckenunterseiten konnten bis 15 cm lange Stalaktiten aus ausgelöstem Kalk aus dem Beton bestaunt werden.

Turnhalle

Turnhalle Bild 1
Turnhalle Bild 2
Turnhalle Bild 3

Eine weitere harte Nuss stellt die alte Turnhalle dar. Hier wurde seit jeher eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit und ein starker Chlorgeruch beklagt.

Eine im Jahr 1998 eingebaute Glastrennwand zwischen Turnhalle und Schwimmbadbereich brachte nicht den erhofften Erfolg.

Während einer zweimonatigen Messreihe wurden bei konstanter Raumtemperatur von + 15 Grd. C eine dauernde relative Luftfeuchte von 90 bis 95 % (!!) gemessen! Auffällig war ein starker dunkler Belag auf den Betonstützen der Fensterwand mit heftigem Schwitzwasseranfall bei tiefen Außentemperaturen sowie ein modriger Geruch.

Der Turnhallenboden hatte entlang der Fensterwand offensichtlich unterhalb des Kunststoffbelages vermorschte Partien. Der Chlorgeruch war trotz der Glastrennwand weiter vorhanden.

Der Frage, wie kommt die feuchte chlorbelastete Luft, die offensichtlich aus der Schwimmhalle stammte, in die Turnhalle, kamen wir schließlich mit Hilfe einer Discotheken–Nebelmaschine auf die Spur.
Turnhalle und Schwimmhalle hatten zwar jeweils eine eigene Lüftungsanlage, die verbrauchte Abluft beider Anlagen wurde aber über einen gemeinsamen Schacht über das Dach des Schwimmbades abgeblasen.

Nun war die Lüftungsanlage der Turnhalle nur bei Benutzung der Halle in Betrieb, die Anlage der Schwimmhalle lief aber wegen der notwendigen Entfeuchtung auch bei Nichtbenutzung mit halber Kraft weiter.

Statt aber den vorgesehenen Weg über den Abluftkamin über Dach zu nehmen, drückte sich immer ein Teil der feuchtwarmen Schwimmbadabluft an einer nicht ganz dicht schließenden Stellklappe – die nach einigem Suchen auch ausfindig gemacht wurde – vorbei in den Frischluftkanal der Turnhalle und sorgte dort im Laufe der Jahre für die vorgefundenen Schäden.

Gebäudehülle

Als weiteres dringend sanierungsbedürftiges Problemfeld stellte sich die gesamte Gebäudehülle, also Wände, Fenster und Türen heraus. Allgemein lag es bei der Gebäudehülle neben den nutzungsbedingten Schäden vor allem mit einem fast vollständigen Fehlen von Wärmedämmung und Abdichtung im Argen.

Umfangreiche Beprobungen ergaben glücklicherweise das Ergebnis, dass der Korrosionszustand der Tragkonstruktion noch weit außerhalb des kritischen Bereiches liegt. Somit konnten diese Teile erhalten bzw. dort, wo doch vereinzelte Schadensbereiche festgestellt worden waren, durch eine lokale Betonsanierung fachgerecht nachgebessert werden.

Die Fenster wiesen - natürlich bauzeitbedingt – nicht die heute festgeschriebenen Werte auf, waren zum Teil erblindet oder gesprungen.

Dass die Türen nach fast einem Vierteljahr­hundert intensiver Beanspruchung verbraucht waren, dürfte nicht verwundern.

Haustechnik

Die Beleuchtungs- und Elektroanlage entsprach weder in Bezug auf Sicherheit noch Effizienz heutigem Standard, Wasser- und Abwasserleitungen waren bis auf kleine Restquerschnitte zugekalkt oder hatten Lochfraß, die Heizungsrohre waren teils durchgerostet und das Innere der Badewasserleitungen glich kleinen Korallenriffen.

Nachdem nun der Befund des Gebäudezustandes erfasst war, begannen die Überlegungen zu möglichen Sanierungsmaßnahmen, immer im Bewusstsein, dass alle Entscheidungen, die jetzt getroffen werden würden, für die nächsten ca. 25 Jahre wirken werden.

Sinnvolle Sparsamkeit, eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit der gewählten Maßnahmen und eine Einordnung in die von der Gemeinde Knetzgau konsequent verfolgte Umweltpolitik im Sinne der Agenda 21 waren strikte Gebote, weiter ergänzt und geregelt durch die Förderrichtlinien der Regierung von Unterfranken.

Sanierungsmaßnahmen

Folgende Sanierungsmaßnahmen wurden durchgeführt:

- Möglichst weitgehende Erhaltung der vorhandenen Bausubstanz,  Wiederverwendung
  ausgebauter Teile als Ersatzteile im Schulklassentrakt (WC–Abtrennungen, Türdrücker,
  Lichtschalter, Deckenbretter)

- Ertüchtigung des Gebäudes zu möglichst niedrigem Energieverbrauch für Heizung / Lüftung /
  Strom durch hohe Wärmedämmung der Gebäudehülle

- Einsparung flächiger Sanierung der alten Sichtbetonfassade durch Überziehen mit einer
  Metallfassade, die die schädlichen Witterungseinflüsse abhält. Farbe und Material wurden mit
  der Schulleitung und den zuständigen Kunstlehrern abgestimmt

- Ersatz der Flachdächer durch hinterlüftete geneigte Dächer mit Metalleindeckung; Die
  Dachentwässerung erfolgt außen über normale Dachrinnen; Das anfallende Dachwasser
  wird - wie schon bei der Sanierung des Daches über dem Klassentrakt – über eine simple
  Versickerungsanlage wieder dem Grundwasser zugeführt und belastet nicht zusätzlich die
  Kläranlage

Sanierungsmaßnahmen Bild 1
Sanierungsmaßnahmen Bild 2


- Sorgfältiger Einbau aller notwendigen Abdichtungen zum Schutz des Gebäudes

- Auskleidung des Schwimmbeckens mit einer Edelstahlwanne mit gegenüber früher völlig
  geänderter Wasserführung. Das gereinigte Frischwasser durchströmt über einen Bodenkanal
  mit sog. Kiemendüsen gleichmäßig verteilt den ganzen Beckenquerschnitt und fließt dann
  über den Überlaufkanal zur Wasseraufbereitungsanlage, wo es gereinigt wird und zum
  Becken zurückgepumpt wird. Dort beginnt der geschilderte Kreislauf von Neuem; Das Becken
  ist so genau gefertigt, dass die Höhenabweichung der Oberkante auf die Beckenlänge von ca.
  16,66 m gerade einmal max. 1,5 mm beträgt; Edelstahl ist von sich aus bakterienhemmend
  und die glatten Oberflächen bieten keine Ansatzpunkte für Kleinstlebewesen.

Bemerkenswert ist, dass im Gegensatz zu früher; dem Badewasser kein Chlorgas mehr zugesetzt wird. Der stechende Geruch gehört damit der Vergangenheit an.

Energieversorgungskonzept

Energieversorgungskonzept

Durch den stark verminderten Energiebedarf des Gebäudes war der Einsatz von Heizungssystemen mit niedrigen Betriebstemperaturen möglich geworden.

So wurden in allen Räumen, auch in der Turnhalle, sehr fein regulierbare Fußbodenheizungen eingebaut, die von nachheizbaren Lüftungsanlagen zum Tausch von verbrauchter Luft ergänzt werden. Die Luftströme werden dabei so gelenkt, dass sie im Temperaturgefälle von höher zu niedriger beheizten Räumen fließen, wo die Luft abgesaugt und über eine Wärmepumpe ihr der größte Teil der enthaltenen Wärmeenergie entnommen wird. Die zurückgewonnene Wärme dient zur Vorwärmung der notwendigen Frischluft, so dass nur ein kleiner Betrag zur Erreichung der Solltemperatur nachgeheizt werden muss.

Die Heizwärmeversorgung ist von der Anlagentechnik her kaskadenförmig aufgebaut. Für einen Großteil des Jahres ist ein großflächiger thermischer Solarkollektor auf dem Dach des Schwimmbades der Hauptlieferant. Hier wurde schon am 20.02.2003 tagsüber eine 100 % -Deckung für Raumheizung und Warmwasserbereitung sowie Schwimmbadwassernachheizung erreicht.

Die Kollektoranlage wird durch eine Wärmepumpe unterstützt, die dem abfließenden Wasser aus den Duschen und dem notwendigen Frischwasserersatz für das Becken einen Großteil der enthaltenen Wärme entzieht und zur Erwärmung des Duschwassers einsetzt.

Die nächsten Aggregate in der Reihe der Lieferanten sind zwei kleine Blockheizkraftwerke (BHKW). Diese bestehen aus je einem Verbrennungsmotor, der mit Erdgas statt Benzin oder Diesel betrieben wird und ein Stromerzeugeraggregat antreibt. Die Abwärme der Motoren wird für Heizzwecke eingesetzt, mit dem "hausgemachten" Strom laufen die Pumpen für das Schwimmbad sowie die Ventilatoren der Lüftungsanlage, so dass hier keine Fremdenergie zugekauft werden muss.

Für besonders ungünstige Witterung, die in unseren Breitengraden jedoch im Jahresanteil recht gering ist, sorgt ein gasgefeuerter Heizkessel in Brennwerttechnik für die benötigte Energie.

Wo möglich und sinnvoll, sind Bauteile in mehrfacher Nutzfunktion eingesetzt. So übernimmt die vorderste Kollektorreihe an der Hainerter Straße nicht nur die Funktion einer Wärmeerzeugeranlage, sondern bildet durch die Art der Anbringung eine Sonnen- und auch Regenschutzanlage für die südliche Fensterfront, und das auch noch zu günstigeren Investitionskosten.

Die Erwartungen an den Ertrag der Kollektoranlage haben sich erfüllt. Bereits im Mai war ein solarer Deckungsanteil am Gesamt-Heizenergiebedarf von über 50 % zu verbuchen, der sich im Sommer auf ca. 80 – 90 % erhöhen dürfte. Nach dem Durchlaufen des ersten Betriebsjahres nach Beginn der Aufzeichnungen der laufenden Messungen im Februar 2003 können hier sicher sehr interessante Vergleiche zu Gebäuden mit herkömmlicher Technik gezogen werden.

Bodenbeläge

Bodenbeläge

Alle neuen Oberflächen, mit denen der Nutzer in Berührung kommt, sollen selbstverständlich langlebig und ansprechend sein. So kamen auf Böden und Wänden keramische Fliesen mit einer so genannten hydroaktiven Oberflächenausrüstung zum Einsatz, die über die gesamte Lebensdauer des Materials antibakteriell wirkt. Frische, leuchtende Farbtöne setzen Akzente und korrigieren Raumproportionen.

In der alten Turnhalle wurde entsprechend den Vorschriften des Gemeindeunfallversicherungsverbandes eine umlaufende aufpralldämpfende Wandbekleidung montiert und die Beleuchtung komplett erneuert.

Eine große Aufwertung bedeutet der Einbau eines neuen flächenelastischen Sporthallenbodens neuester Bauart.

Mit den neuen, mit schlanken Sprossen gegliederten Holz-Alu-Fenstern konnte der Fensterfront mehr Leichtigkeit und Durchlässigkeit gegeben werden.

Wie bei öffentlich geförderten Baumaßnahmen obligatorisch, mussten die Einzelgewerke öffentlich ausgeschrieben werden. So war es sehr erfreulich, dass es offenbar für die anbietenden Firmen aus der näheren Umgebung ein großer Anreiz und vielleicht auch Ehrensache war, sich bei ihren Angebotskalkulationen so zu engagieren, dass der größte Teil der Arbeiten an Firmen aus dem Landkreis Hassberge oder zumindest aus den Regierungsbezirken Frankens vergeben werden konnte. Lediglich für spezielle Arbeiten, wie die Edelstahlauskleidung des Schwimmbeckens oder den Sporthallenboden musste auf Bieter aus weiterer Entfernung zurückgegriffen werden.

So erreichten die von der Gemeinde und dem Freistaat Bayern getätigten Investitionen ein ganz wichtiges Ziel: direkte Wirtschaftsförderung für einen Zweig unserer heimischen Wirtschaft, dem es gerade hier regional nicht gut geht.

 

Gemeinde Knetzgau, Am Rathaus 2, 97478 Knetzgau | Telefon 09527 79-0 | E-Mail: info@knetzgau.de